Geschichte
Das Observatorium Hoher List war die Außensternwarte des Argelander-Instituts für Astronomie der Universität Bonn. Die Wurzeln reichen bis zur Gründung der Bonner Universität im Jahr 1818 zurück, als ein Lehrstuhl für Astronomie eingerichtet wurde. Unter Friedrich Wilhelm August Argelander entstand zwischen 1839 und 1845 die Bonner Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee. Foto: Die Bonner Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee, Stahlstich um 1850. Mit dem Wachstum der Stadt Bonn wurden astronomische Beobachtungen dort zunehmend unmöglich, weshalb 1950 der Entschluss fiel, eine neue Sternwarte auf dem Hohen List, 549 m über dem Meeresspiegel bei Schalkenmehren in der Vulkaneifel, zu errichten.
Zwischen 1950 und 1954 entstand unter Prof. Dr. Friedrich Becker, Direktor der Sternwarte und seinem Assistenten, Dr. Hans Schmidt, ein funktionales Ensemble aus Hauptgebäude, vier Beobachtungskuppeln und einem Wohnhaus. Das erste Hauptinstrument war ein 50 cm Schmidt-Spiegel, der großflächige Aufnahmen des Himmels ermöglichte. Die weiteren drei Beobachtungskuppeln wurde mit einem 36 cm Cassegrain Teleskop, einem 30 cm Astrograph und einem 15,9 cm Schröder Refraktor ausgerüstet. 1962–1965 wurde das Observatorium um zwei große Kuppeln (je 8,5 m Durchmesser) erweitert. In einer Kuppel wurde ein modernes 1m-Spiegelteleskop mit Nasmyth Cassegrain Optik installiert. In der zweiten Beobachtungskuppel kam der berühmte Bonner Doppelrefraktor (30/36 cm Repsold, 1899), der bis dahin in der Sternwarte Bonn beherbergt war. Weiterhin wurden in dieser zweiten Bauphase ein Gästebungalow und eine feinmechanische Werkstatt errichtet. Später wurde auch noch ein Elektroniklabor gebaut.
Das Observatorium diente der Forschung und Ausbildung an der Universität Bonn. Besonders bedeutend waren die Vergleichsstudien alter und neuer Sternaufnahmen, mit denen Eigenbewegungen von Sternen untersucht wurden. Diese Arbeiten führten in den 1980er und 1990er Jahren zu zahlreichen international beachteten Veröffentlichungen.
Observatorium Hoher List im Frühsommer 2002. Untern links sieht man die Kuppel des 1-Meter-eleskops mit dem angrenzenden Elektroniklabor. Im Zentrum liegt das einstöckige Wohnhaus, darüber links das Hauptgebäude mit drei Kuppeln, darüber die kleine Kegeldachhütte des Schröder Refraktors (wurde im Jahre 2012 nach Bonn zurückgebracht) und rechts vom Hauptgebäude der kleine Wohnbungalow für Gäste. Ganz rechts erhebt sich die Kuppel des Doppelrefraktors, an die sich links die feinmechanische Werkstatt anschließt.

Das Hauptgebäude erwies sich bald als zu klein, und ein modernes Teleskop wurde immer dringender gewünscht. So wurde der Hohe List zwischen 1962 und 1965 um zwei große Türme, deren Kuppeln je 8.5 m Durchmesser besitzen, erweitert. An die Türme wurden die feinmechanische Werkstatt und das neue Elektronik-Laboratorium angebaut. Für die Unterbringung auswärtiger Gastbeobachter wurde zudem ein Wohnbungalow mit fünf Zimmern errichtet. In einer der Kuppeln wurde der 1899 von der Firma Repsold in Hamburg gebaute Bonner Doppelrefraktor neu aufgestellt. Dieses Linsenfernrohr vereint gleich zwei Teleskope in einem Rohr, eines für Beobachtungen mit dem Auge, das andere für photographische Aufnahmen. Für die zweite neue Kuppel wurde ein modernes Nasmyth-Cassegrain Spiegelteleskop erworben, das „1-Meter-Teleskop“. Der Hauptspiegel mit einer Öffnung von 106 cm wurde von den Askania-Werken in Berlin gefertigt. Die Gabelmontierung und der Gittertubus des Teleskops, also der mechanische Aufbau, wurden von Ing. B.G. Hooghoudt aus Leiden entworfen (der auch am Bau des 100-m-Radioteleskop in Effelsberg beteiligt war) und von der Firma Rademakers (Rotterdam) gebaut. Die gesamte Elektrik (Steuerung etc.) übernahm die Firma Wesemann (Rotterdam). Die Optik erwies sich als qualitativ sehr hochwertig (λ/7 Wellenfront, Strehl 95%).
Die elektrische Steuerung wurde Anfang des 21. Jahrhunderts auf eine zeitgemäße, moderne Computersteuerung umgerüstet, um das Teleskop auch ferngesteuert nutzen zu können. Diese Computersteuerung in Verbindung mit der hochpräzisen Antriebsmechanik sorgen für eine dermaßen genaue Kompensation der Erddrehung, das Laufkorrekturen während einer Belichtung völlig unnötig sind! Weitere Bilder zum Hohen List, zu den Geräten und zur Geschichte des Observatoriums finden sich in der Galerie auf unserer Forumsseite.
Wer den Bericht von Herrn Prof. Dr. Hans Schmidt über die Erkundung des Hohen List und die Gründung des Observatoriums lesen möchte, sei auf seinen Originalbericht verwiesen, welcher eine wirklich spannende und unterhaltsame Lektüre aus den Pionierzeiten darstellt:
